Anchorage

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Ankunft in Anchorage

In Anchorage angekommen, standen wir erstmal in einer kilometerlangen Schlange, weil ja jeder unbedingt seine Fingerabdrücke in einen Scanner geben wollte. Zeigefinger von beiden Händen. außerdem wollte es sich keiner nehmen lassen fotografiert zu werden um in die »Schläfer-Datenbank« der Vereinigten Staaten von Nordamerika aufgenommen zu werden. Anderthalb Stunden später waren wir gleich beim Zoll und haben nach unserern Motorrädern gefragt. Die meinten, sie wären zwar da, aber die Bearbeitung der Papiere brauche noch Zeit.

Uns war das ganz recht, da wir eigentlich nur noch schlafen wollten. Die beiden ca. sechzigjährigen Volontäre an der Info wollten uns weis machen, das Raucher in den USA wie Tiere behandelt werden und überall draußen bleiben müssen. Naja, wir waren bisher überall drin und rauchen immer noch.

An der Info bekamen wir auch die Adresse von unserem ersten Campingplatz. Wir nahmen uns ein Taxi und fuhren dort hin. Es war ein wirklich ruhiges Plätzchen, bis wir unser Zelt aufgebaut hatten. Dann kam der erste Zug, der langsam in ca. 50 m Entfernung am Campground vorbeifuhr. Alle drei Bahnübergänge in der Nähe wurden mit lautem Hupen passiert und die schweren Waggons rumpelten über die jahrzehntealten, noch von Hand verlegten, Schienen. Als dann der erste Düsenjet, vom nahe gelegenen Militärflugplatz startend, die Schallmauer durchbrach, wurde uns klar, warum wir nach Alaska kamen – wegen der Stille.

Unser erster Zeltplatz

Unser erster Zeltplatz. Nachdem das Zelt steht rattert der erste Zug vorbei und die Flugzeuge der nahen US-Air-Force-Basis berühren beim Tiefflug fast das Zeltgestänge

Tacho

Die Umrechnung der Meilen in Kilometer haben wir uns mit wasserfestem Stift auf den Tacho geschrieben, aber deren Einhaltung ist nicht so einfach, da die Amerikaner nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

FedEx hatte seine heiligen Hallen direkt an den Rollbahnen so daß wir uns ein zweites Mal checken lassen mußten. Der Zusammenbau der Bikes dauerte ca. zwei Stunden und war damit rekordverdächtig. Die Mitarbeiter dort fragten interessiert nach unserem Vorhaben und wünschten uns viel Glück, dann waren wir erstmals auf der Straße.

Unsere Ersatzbenzinkanister mußten wir leider in der Heimat zurücklassen, da die Airline sie nicht, bzw. nur gegen 240 Euro Aufpreis befördern wollte. Wir werden hier neue kaufen mit sechs Galonen Inhalt, das sind ca. achtzehn Liter.

Nach unserem Einkauf fahren wir zum Point Woronzof, einem Aussichtspunkt, von dem man einen schönen Ausblick über Cook Inlet, die Bucht vor Anchorage hat. Der Ausblick erinnert mich ein bißchen an Kapstadt, weil Anchorage sich genauso am Wasser entlang schlängelt und die Berge im Hintergrund die Grenze zum weiten Hinterland und den Wrangell Mountains bilden.

Ein Mountainbiker fragt uns wo wir herkommen und das er Verwandte in Würzburg habe. Wir erzählen erneut unsere Story. Also wir beginnen in Anchorage und fahren dann nach Norden zur Prudhoe Bay, von da dann nach Argentinien. Und ja, die Bikes haben wir von Deutschland mitgebracht. Er gibt uns seine Telefonnummer und lädt uns ein, bei ihm und seiner Frau Linda zu wohnen. Wir nehmen erfreut und dankbar an.

Tim und Linda, die eigentlich Timothy und Erlinda heißen, haben ein schönes kleines Häuschen, Teil eines Zweifamilienhauses, das in der Nähe der Berge liegt und aber doch auch fast am Meer. Sie ist Philippinin, etwa fünfundvierzig Jahre und eine Seele von Mensch und er ist quasi ein Bilderbuchamerikaner, US-Flagge über dem großzügig dimensionierten Garagentoor, zwei Autos von denen eins so groß wie ein Lkw ist und drei Motorräder. Schaut Soccer, Football und die Beerdigung von Ronald Reagan. Tim hilft uns sehr bei den Besorgungen und Reisevorbereitungen. Er hat uns zum Essen eingeladen, auf richtige Hamburger und Beer. Wir besuchten auch gemeinsam das Lieblingsrestaurant von Linda.

Tim und Lindas Haus

Tim und Lindas Haus. Die Garage ist so vollgestopft, daß die Fahrzeuge keinen Platz mehr haben.

Heute fuhren wir auf den drei Motorrädern von Tim bis nach Seward, einer kleinen Hafenstadt mit großem Bootshafen und Fischverarbeitung. Der kleine Daytrip, wie er ihn nannte, war für uns, als würden wir in Deutschland einen Ausflug von Dresden nach Berlin machen nur um zu gucken ob die Weltzeituhr auf’m Alex heute richtig geht und danach wieder umdrehen. Es waren 500 km.

Ausflug nach Seward

Auf dem Ausflug nach Seward geben uns die verschneiten Bergspitzen im Hintergrund einen ersten Eindruck vom hohen, weiten und wilden Norden.

Heiko, Tim und die »Little Star«

Heiko, Tim und die »Little Star«, deren Steuerhaus mit einem Holzofen befeuert wird

Wir planen am Mittwoch nach Prudhoe Bay aufzubrechen und auf dem Rückweg wieder bei Tim und Linda vorbeizufahren.

Die letzten Vorbereitungen sind getroffen. Übermorgen soll es endlich losgehen. Das Batterie-Ladegerät für meine Stereo-Canons konnten wir nirgends auftreiben (und das in den USA), aber ich hoffe ich kann es mir nachschicken lassen. Wir sind heute nochmals im Informationszentrum gewesen um uns letzte Infos über den Dalton Highway zu besorgen, aber die konnten uns auch nichts sagen, was wir nicht schon von Tim erfahren hätten. Man mußte sich ähnlich dem Sicherheitscheck am Flughafen einer Kontrolle unterziehen und wurde von drei Beamten durchleuchtet, nur um dann einige kostenlose Flyer, Karten  und Broschüren mitzunehmen. In Anchorage wimmelt es von Touristen und an allen Ecken riecht es nach Hot Dog und gebratener Rentierwurst. Die Souvenirshops haben Hochkonjunktur und die Stadt platzt aus allen Nähten.

Heiko und Tim im größten Sportgeschäft Anchorages

Heiko und Tim im größten Sportgeschäft Anchorages. Allein die Waffenauswahl ist astronomisch.

Heiko und Tim im größten Sportgeschäft Anchorages

Tims Hündin (!) Bob, war etwa so alt wie Amerika und fast blind. Inzwischen erreichte uns die traurige Nachricht, daß Bob leider inzwischen verstorben ist.

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Beyond Pictures Landkarte Amerika